Schwarz auf Weiss... Let's talk about e-Mobilität... Warum wir gerade jetzt umso mehr eine Diskussion zur "Technologieoffenheit"​ benötigen (in German language)


01 Jul
01Jul

Wenn sie mich vielleicht vor 2-3 noch Jahren gefragt hätten, wie entwickelt sich denn der Markt der Elektrofahrzeuge im Jahr 2030 in Deutschland, hätte ich Ihnen damals sicher noch so geantwortet: "90% aller Fahrzeuge werden elektrisch betrieben und 10% sind noch mit klassischen Verbrennungsmotoren".

Nein - ich glaube aktuell nicht (mehr) daran, dass es so kommen wird. Aber warum? Liegt es an fehlender Ladeinfrastruktur, Energieknappheit, Reichweite der Fahrzeuge, am fehlenden Angebot von "günstigen" E-Fahrzeugen im Markt?

Meine Antwort lautet "ja und nein" - aber der Hauptgrund ist ein anderer, der aktuell wesentlich nicht aus dem PKW-Bereich, sondern gerade auch aus dem Nutzfahrzeuge / LKW-Bereich heraus getrieben wird, auf den ich auch eingehen möchte.

Machen wir uns nichts vor - wir sind in Deutschland in Sachen "Hersteller" wesentlich eine Nation der Ford's, Daimler's, BMW's, Porsche, Volkswagen und Audi's. Was verbindet diese Unternehmen allesamt? Richtig - sie bauen sehr erfolgreich seit vielen Jahren "große schwere Fahrzeuge" - vor Allem im Bereich SUV und Luxusklasse, was sich auch in den weltweiten Absatzzahlen wiederspiegelt - im Durchschnitt werden mehr als 30% der produzierten Fahrzeuge in oder nach China verkauft. Bis ins Jahr 2025 wollen alle genannten Hersteller verstärkt Fahrzeuge in diesen Segmenten verkaufen (bis zu 75%), wie beispielsweise bei Audi. Lediglich die Kernmarke Volkswagen versucht dabei mit deren ID-Serie buchstäblich gerade etwas "gegen den Strom" zu schwimmen, Ziel ist es hier ganz klar "Weltmarktführer von urbanen e-Fahrzeugen" zu werden, die den Massenmarkt des für jedermann bezahlbaren e-Fahrzeugs zu werden.

Aber was hat China mit Deutschland und der hiesigen E-Mobilitätsstrategie der deutschen Hersteller / OEMs zu tun? Die Antwort - sehr sehr viel - Zum einen befinden sich die deutschen Hersteller (mangels eigener Batteriefabriken) in einer gewissen "Abhängigkeit" von asiatischen / chinesischen Herstellern, die sie so in dieser Form in den letzten 100 Jahren noch nie hatten und sie dahingehend tagtäglich preislich angreifbar macht - zuletzt erlebt u.a. bei BMW, bei dem ein Batterie-Lieferant von heute auf morgen die Preise mal um 30% erhöht hatte. Dann heißt es buchstäblich "friss oder stirbt" - man kann den Verkaufspreis des Fahrzeugs dann nicht einfach mal so 1:1 einfach um "7.777" Euro erhöhen.

Im Thema fehlender Ladeinfrastruktur tut sich einiges - die Anzahl der Charger in Deutschland und Europa nimmt stetig zu, gerade an Autobahnen und Schnellstrassen bilden wird das Laden dahingehend einfacher, da sich die Abstände zwischen den Ladeparks auch wesentlich verringert haben. Waren diese vor 2 Jahren noch bei durchschnittlich 300 km, liegen diese heute schon bei unter 150 km - auch dank Playern wie Ionity (ein 2017 gegründetes Joint Venture von Daimler, BMW, Ford und Volkswagen), EnBW, E.ON & Co.

Das urbane Laden gerade bei Mehrfamilienhäuser / Wohnviertel / Quartieren ist leider allerdings auch noch immer nicht restlos geklärt, wie man zukünftig hunderte Wohnungen mit Strom für e-Fahrzeuge beliefern kann. Leider war der Gesetzgeber da auch nicht wirklich "kundenfreundlich" unterwegs, aber vielleicht muss er das auch nicht - der Markt regelt dies von selbst mit neuen aufkommenden "Sharing"-Dienstleistungen rund um das Thema "Charging" von e-Fahrzeugen. Hier gilt es schlichtweg das Smarte zu Hause, die Smarte City mit dem Smart Charging zu vernetzen.

Auch die fehlende Reichweite ist immer noch ein Punkt, den es hier zu diskutieren gilt - Beim Diesel-PKW Fahrer sind das Zahlen von 800 km oder LKW bei den Spediteuren von 1.600 km je Tankvorgang, die es elektrisch zu "kompensieren" gilt - im Verhältnis dazu, aktuell bei den rein-elektrisch betriebenen SUVs am Beispiel der Hersteller Daimler mit dem EQC 400 oder Audi e-tron, beide max. 400 km bei einem Batteriegewicht von ca. 900 kg.

Um eine voll-elektrische Reichweite von 800 km mit einem PKW zu erzielen, wären wir schon bei einem Batteriegewicht von 1,8 Tonnen - bei einem Leergewicht eines SUVs "kratzt" man dann schon an der Grenze zum Führerschein für einen 3,5 Tonner. Bei LKWs ist das Verhältnis dann noch extremer, einen vollelektrischen MAN oder Daimler e-Actrosmit 1.600 km Reichweite zu bauen lägen wir schon im 4,x Tonnen Bereich, reines Batteriegewichts. Somit die berechtigte Frage auch bei den Herstellern - kann man diese Fahrzeuge noch wirklich bewegen? Die Antwort lautet schlichtweg "Nein!"

Fazit: wir brauchen in Deutschland mehr denn je eine "Technologieoffenheit", wie es beispielsweise von Porsche, Daimler und BMW auch gefordert wird und von Volkswagenaktuell (noch) abgelehnt wurde, was natürlich auch bei VW verständlich ist, wenn man zukünftig den "urbanen Mobilitätsmarkt" adressieren will. Ich widerspreche somit auch erneut - wie auch schon vor einigen Monaten - dem Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen - Herbert Diess ins Sachen deren Strategie voll auf Batterie-elektrisch zu setzen. Selbst China hat erkannt, dass sie nach 10 Jahren Umsetzung einer e-Mobilitätsstrategie noch nicht am Ende angekommen sind und gerade die beschriebenen Probleme nicht mit Elektromobilität gänzlich gelöst werden können.

Warum werden in China die Subventionen im Bereich E-Mobilität gerade von Anfang des Jahres bis heute um 50% heruntergefahren? Klaro, man hat bereits einen neuen Masterplan und der sieht eben vor zukünftig auf die Themen Wasserstoff und Brennstoffzelle zu setzen, für die man die Gelder jetzt einsetzt. Wir werden in Bälde dann sicher auch die ersten Startups in China sehen, die den europäischen Platzhirschen u.a. Linde und Air Liquide in deren Kernbusiness das Leben schwer machen werden. Ich warte eigentlich Tag für Tag nur darauf, dass ein chinesischer Anbieter eine Wasserstoffladestation für weniger als die besagten 1 Mio Euro pro Station anbietet, dann kommt sichtlich Bewegung in die Branche!

Für die deutschen Automobilhersteller, gerade von SUV's und LKWs bedeutet dies - "Ärmel hochkrempeln" - Back to "Wasserstoff und Brennstoffzelle", in denen sich alle ja bereits vor Jahren schon mal versucht hatten - bis dann in 2013 die politische Entscheidung in Richtung e-Mobilität getrieben wurde. Wenn man den chinesischen Markt bis 2030 nicht gänzlich verlieren will, so MUSS einfach in Richtung Wasserstoff & Brennstoffzelle von Seiten des OEM investiert werden - ansonsten werden auch hier mittel- & langfristig chinesische Anbieter das Rennen machen.

Allerdings sieht man ja auch schon "einige Wasserstoff-Pflänzchen im deutschen Markt", sowohl Daimler, BMW als auch Audi - letzterer in Kooperation mit Hyundai - bewegen sich in diesen Markt rein.

Mein Ratschaut auf China! - die machen es uns erneut vor, wie man erfolgreich neue Strategien in Märkte einführt. Wo wir aktuell auf Autogipfeln in der Politik noch gerade über einen "Masterplan für Ladeinfrastruktur" diskutieren, hat man dort schon lange erkannt, dass die Zukunft des Fahrens nicht gänzlich in der e-Mobilität liegen kann.

Die Zukunft liegt dahingehend in der Wasserstoff und Brennstoffzellen-Technologie, sie macht unabhängiger von Rohstoff- und Technologie-Ressourcen (wie auch Anbietern), die man aktuell eben nur sehr teuer und schwer beschaffen kann (Batterien).

Ich freue mich auf ein Feedback aus ihren Reihen dazu... info@dxbe.net

Beste Grüße,

Ihr Wulf Schlachter

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